Neue Pfortenstraße 3 – Hilde und Siegfried Löwenheim

Hilde
*15.08.1894 in Mengeringhausen
† ca. 1942

Siegfried
* 01.09.1885 in Dransfeld
† ca. 1942

Hilde besuchte von 1903-1907 die Grundschule in Mengeringhausen und anschließend bis 1915 die Schule in Arolsen. Sie besuchte ein Jahr die Wirtschaftsschule in Kassel und arbeitete dann als Kauffrau und eröffnete das Geschäft „Bielefelder Wäsche-Versand“. In 1921 heiratete sie Siegfried Löwenheim und zog mit ihm nach Kassel.

Die beiden bekamen zwei Kinder. Ihre Tochter Herta wurde 1924 geboren und ihr Sohn Kurt 1928.

Siegfried arbeitete in Kassel als Textilkaufmann und reiste über Land, um seine Waren zu verkaufen.

Als er 1937 in Arolsen Halt machte, um von Kunden, die bei ihm hatten anschreiben lassen, das Geld abzuholen, wurde er in der Gaststätte in der Bahnhofsstraße, in der er zuvor des Öfteren übernachtet hatte, abgewiesen. Ihm wurde gesagt, er solle zur Pension Thiele gehen.

Gegen 23 Uhr kamen mehrere Männer in Uniform. Sie klingelten bei der Pension Thiele Sturm und schrien laut nach Siegfried.
Frau Thiele kam zu ihm und sagte ihm ängstlich: „Herr Löwenheim Sie müssen aufstehen, die holen Sie.“
Daraufhin zog er sich an, ging anstandslos hinaus und wurde dazu gezwungen, die Stadt zu verlassen.

Ein Arolser Bürger erinnert sich an den folgenden Tag: „Eines Morgens gehe ich die Post holen, da sehe ich einen Menschenauflauf, wo jetzt die Sparkasse ist. Dort befand sich früher das Hotel zur Post, und davor stand eine Litfaßsäule. Daran hing an diesem Morgen ein großes Plakat, frisch gepinselt, handgeschrieben:

‚Jud Löwenheim
zieht seine Gelder ein
und kehrt bei
Pension Thiele ein!‘

Darunter standen die Namen von denen, die bei Löwenheim Schulden hatten. Das war eine Aufregung.“ (Winkelmann, S.271)

Siegfried floh am 08.11.1939 nach Berlin, wohin ihm Hilde mit den Kindern knapp ein Jahr später, am 19.07. folgt. Dort wohnten sie in einer Zwangswohnung in Berlin Tiergarten. Die Familie wurde am 14.12.1942 von Berlin nach Auschwitz deportiert, wo sie verstarben.

Quelle:
„Auf einmal sind sie weggemacht“ von Michael Winkelmann
Synagoge Vöhl
Arolsen Archives

Nele Rettberg