Julius Löwengrund
*19.August 1893 in Rimbeck
†
Erna Löwengrund geb. Löwenstern
*2.Dezember 1893 in Höringhausen
Ungefähr ein Jahr nachdem ihre Schwester Edith 1919 Hermann Löwengrund heiratet,
heiratet Erna Löwenstern dessen älteren Bruder Julius Löwengrund.
Julius wird 1923 Mitbesitzer des Geschäfts von Ernas Eltern, es heißt nun „Menko
Löwenstern Witwe und Julius Löwengrund“.
Aus dem ehemaligen Textilgeschäft macht er ein gutgehenden
Manufakturwarenhandel.
Ein Jahr später wird er Alleininhaber, da auch Johanne mit 61 Jahren stirbt.
Am 20. Mai desselben Jahres wird außerdem ihr Sohn Heinz Werner geboren.
Dieser besuchte 1932 die Stadtschule in Mengeringhausen und den separaten
Religionsunterricht bei Lehrer Goldwein aus Korbach.
Ab 1934 ging er auf das Realgymnasium in Arolsen, bis „Nichtariern“ am 4. Februar
1938 der Zugang zum Arolser Gymnasium endgültig verwehrt wird.
Heinz Werner wird als letzter jüdischer Schüler der Schule verwiesen.
Im Handelsregister ist bei der Firma Julius Löwengrund am 25.04.1938 eingetragen: „die
Firma ist erloschen“, weil sie ihr Geschäft unter Druck verkaufen mussten.
Während der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde das Schaufenster des
Geschäfts eingeworfen.
Ein Augenzeuge berichtete (vgl. Winkelmann S. 304 f.), ein SA-Mann sei ins
Schaufenster gestiegen und habe sich an der Auslage zu schaƯen gemacht. Am Morgen
läge alles durcheinander und es sei auch ein SA-Dolch im Fenster gefunden worden.
Dadurch war klar, wer dort eingebrochen war, es kam aber zu keiner Untersuchung, so
wie bei allem, was in der Kristallnacht geschehen ist.
Ende März 1939 verkauft die Familie Löwengrund ihr Haus in der Landstraße 17 und
muss Mengeringhausen verlassen. Sie ziehen nach Mühlheim-Ruhr, wo seit kurzem
auch Ernas Schwester Edith mit ihrer Tochter Ruth lebt.
Mit ihnen haben die letzten Juden Mengeringhausen verlassen, Mengeringhausen ist
nun, wie die Nazis es wollten „judenfrei“.
Julius, Erna und Heinz Werner wurden am 22.04.1942 ins Ghetto Izbica deportiert, dort
oder in einem Vernichtungslager der Region (wahrscheinlich Sobibor) starben sie.
Die beiden waren zu dem Zeitpunkt 45 und 49 und Heinz Werner nur 18 Jahre alt.
Der restliche Besitz der Familie wurde zugunsten des Reiches enteignet.