Helenenstraße 7/8 – Meinhard Katz


* 1.07.1905

Meinhard Katz war eins von sieben Kindern der Eltern Jakob und Ida Katz (geb. Schartenberg). Er lebte seinerzeit im elterlichen Wohn- und Geschäftshaus, wo sich heute der Helenenpark befindet (Helenenstraße 7/8). Sein Vater betrieb dort einen Pferdehandel und veraufte auch anderes Vieh, Frucht und Futtervorrat.

Nachdem 1925 sein Vater starb übernahmen die Brüder Meinhard und Max das väterliche Geschäft. Fortan wohnten nur noch Meinhard, Max und Mutter Ida in der Helenenstraße.

Auf einer vom Arolser Bürgermeister aufgegebenen Liste zu den jüdischen Bewohnern Arolsens aus 1933 wurde er als einer der 16 namentlich erwähnten Personen verzeichnet. Zu seiner politischen Einstellung und Betätigung heißt es „nicht bekannt“.

Als er am 1. August 1934 mit einer Bekannten über Viehmarkt aus Wuppertal über den Viehmarkt ging, wurde er von zwei SS-Leuten zusammengeschlagen. Die Staatspolizeistelle Kassel berichtete an die Gestapo Berlin, Meinhard habe wegen des Umgangs mit einem christlichen Mädchen Ärgernis erregt und sei „handgreiflich zurechtgewiesen“ worden.

Im Jahr 1935 war Meinhard noch einer der 13 in Arolsen lebenden Juden.

Am 6. Dezember 1937 beantragte Meinhard einen Reisepass für die Auswanderung in die USA. In diesem Antrag hieß es, er sei von großer Gestalt, habe ein ovales Gesicht, graue Augen, dunkelblonde Haare und keine besonderen Kennzeichen. Die Ortspolizeibehörde informierte den Landrat, außerdem wurden Anfragen an verschiedene Behörden wie die Staatspolizeistelle in Kassel, das Finanzamt in Korbach und die Zentrale Nachrichtenstelle des Landesfinanzamtes in Berlin gerichtet.
Die NSDAP erklärte sich am 23. Dezember mit der Auswanderung einverstanden.

Im Jahr darauf erhielten die Brüder keine Viehhandelserlaubniskarte und konnten das Geschäft daher nicht mehr betreiben. Die Pferdehandlung wurde zwangsverkauft.

Am 30. April legte er der Auswandererberatungsstelle in Frankfurt eine Bescheinigung vor, in der bestätigt wurde, dass Katz tatsächlich auswandern wollte.
Im Juli oder August emigrierte Meinhard Katz in die USA. In Dezember wurden zwei Nachbarn im antisemitischen Wochenblatt „Der Stürmer“ denunziert, da sie mit den Brüdern Katz ein gutes Verhältnis pflegten.

1978 trafen sich die Geschwister Else Meyerhoff, Helene Ries und Meinhard Katz in den USA erneut.

Quellen:
Synagoge Vöhl: Meinhard Katz
– Michael Winkelmann: „Auf einmal sind sie weggemacht“

Lara Hellwig