Helenenstraße 7/8 – Max Katz

* 11.02.1900
† vmt. 1945 im KZ Riga oder Stutthof

Max wurde als eins von sieben Kindern der Eltern Jacob und Ida Katz (geb. Schartenberg) geboren. Er lebte seinerzeit im elterlichen Wohn- und Geschäftshaus, wo sich heute der Helenenpark befindet. Sein Vater betrieb dort einen Pferdehandel und verkaufte auch anderes Vieh, Frucht und Futtervorrat.

Nach dem Tod seines Vaters 1925 übernahm Max gemeinsam mit seinem Bruder Meinhard das väterliche Geschäft. Gemeinsam mit Meinhard und Mutter Ida wohnte Max fortan in der Helenenstraße 7/8.

1927 heiratete Max Bertha (gennannt Bertel) Julie (geb. Stern) aus Osnabrück.

Am 31. August 1931 wurde die Pferdehandlung Katz auf Max Namen übertragen.

Auf der von Arolser Bürgermeister aufgegebenen Liste zu den jüdischen Bewohnern Arolsens aus 1933 wurde er als einer der 16 namentlich erwähnten Personen verzeichnet. Zu seiner politischen Einstellung und Betätigung heißt es „nicht bekannt“. Zu Bertel wird als Beruf „Ehefrau“ vermerkt.

1934 hieß es, Max Katz‘ Familie sei eine von drei verbleibenden jüdischen Familien in Arolsen. Im Vergleich mit den noch existierenden jüdischen Manufakturwarengeschäften sei der Geschäftsgang kaum beeinträchtigt. Außerdem sei kein Jude in Arolsen politisch n Erscheinung getreten.

Die „Vereinigung der Ehemaligen des Realgymnasiums Arolsen“ schloss 1935 sämtliche jüdischen Mitglieder und somit auch Max Katz aus.
Auf einer weiteren Liste des Bürgermeisters wird Max Katz als einer der 13 in Arolsen verbleibenden Juden genannt.

Als Max am 9. Juni 1936 einen Reisepass beantragen wollte, begründete er dies damit, Pferde in Belgien und Holland kaufen zu wollen. Da er als Jude offiziell keine Einfuhrpapiere erhielt, gestand er, diese über einen Mittelmann zu erhalten.
Den Antrag lehnte der Bürgermeister nach Absprache mit der Gestapo ab.

Einen Monat später transportierte er für Willi Löwenstein, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, die Thorarolle in das Haus der Familie Schönstädt (Bahnhofstraße 29).

Nach 1938 erhielten die Brüder Katz keine Viehhandelserlaubniskarte mehr. Ihr Geschäft konnten sie somit nicht mehr betreiben und die Pferdehandlung anschließend zwangsverkauft. Am 12. März meldete Max den Betrieb ab und sechs Tage später verkaufte er seine Grundstücke an die Stadt Arolsen.
In der Waldeckischen Landeszeitung erschien am 14. Mai die Anzeige:
„Ich bin beauftragt die Gebäude und Grundstücke des Pferdehändlers Max Katz in Arolsen zu verkaufen. Chr. Schröder, Makler“

Am 9. Juni wurde in einer öffentlichen Sitzung im Rathaus über die Verpachtung der ehemaligen Katzschen Wiese nördlich der Bahnhofstraße beraten. Am 17. Juni berichtet die Waldeckische Landeszeitung dann: „Besitzwechsel. Das Katzsche Grundstück in der Helenenstraße ging durch Kauf in den Besitz von Kaufmann Friedrich Emde über. Der Kaufpreis beträgt 25.000 Reichsmark.“

Am 11. Juli schrieb die WLZ: „Das von Kaufmann Friedrich Emde, hier, erworbene Katz’sche Anwesen in der Helenenstraße ist inzwischen in den Besitz der Viehverwertungsgenossenschaft Waldeck-Wolfhagen e.G.m.b.H. Aroslen übergegangen. Die Viehverwertungsgenossenschaft hat das mit umfangreichen Stallungen ausgestattete Hausgrundstück deshalb erworben, um den Nutzviehverkauf, insbesondere aber auch den Pferdehandel weiter ausbauen zu können. Die Verlegung der Büroräume in die Helenenstraße wird nach einigen Umbauten bis zum Herbst erfolgen.“

Am 16. Juli verkaufte Max eine Wiese am Homberg in Mengeringhausen und verzog anschließend mit seiner Frau Bertel im Juli oder August nach Osnabrück in das Haus von Bertels Mutter Ida Stern, Kommenderiestraße 11. Das Haus wurde später zu einem „Judenhaus“, wo zur Deportation vorgesehene Juden eingewiesen wurden.

Vom 12. bis 21. November 1938 war Max im KZ Buchenwald inhaftiert.

Im Dezember wurden zwei Nachbarn in der antisemtischen Wochenzeitung „Der Stürmer“ denunziert, da sie mit den Brüdern Meinhard und Max ein gutes Verhältnis pflegten.

Als der Arolser Bürgermeister am 20. Dezember die Synagogenregister einfordert, wird acht Tage später bekannt, dass Max alle Unterlagen dem Jüdischen Landesverband in Kassel gegeben habe.

Am 11. und 12. Dezember 1941 mussten sich die Juden aus Osnabrück und Umgebung auf den öffentlichen Marktplätzen einfinden. Mit Omnibussen wurden sie anschließend in die Turnhalle der Pottgrabenschule gefahren. Am 13. mussten die Juden am Hauptbahnhof dann in Personenwagen 3.Klasse eines Zuges, der aus Münster kam, einsteigen,

Der Zug traf um 15 Uhr in Bielefeld ein, wo weitere Juden aus der Umgebung zustiegen. Insgesamt fuhren 1031 Juden mit diesem Zug, darunter 74 Kinder unter dem Alter 10.

Am 16. Dezember 1941 traf dieser Zug in Riga ein. 102 Personen überlebten diese Deportation.

Ab Oktober 1942 übernahm Max gemeinsam mit dem Korbacher Juden Alfred Kaufmann den Posten vor der Kommandantur in Riga, dort sahen sie zu, wie SS-Männer eine größere Grppe lettischer Ordnungsleute mit Maschinengewehren erschossen.

Seine Frau Berta wurde am 1. Oktober 1944 durch die Sicherheitspolizei Riga in das KZ Stutthof gebracht. Ihre Häftlingsnummer war 94417. Ihre Kategorie: Schutzhaft, politisc, Jüdin. Seitdem ist sie verschollen. Laut dem Bundesarchiv wurde auch Max nach Stutthof deportiert, vermutlich verstarb er dort 1945.

Quellen:
Synagoge Vöhl: Max Katz
Synagoge Vöhl: Bertel Julie Katz
Bundesarchiv Gedenkbuch: Max Katz
Bundesarchiv Gedenkbuch: Bertha Julie Katz
– Michael Winkelmann: „Auf einmal sind sie weggemacht“

Lara Hellwig