
* 30. September 1897 in Arolsen
† vermutlich am 9. Mai 1942 in Sobibor
Martha war eins von sieben Kindern der Eltern Jacob und Ida Katz (geb. Schartenberg). Sie wuchs auf dem Grundstück des heutigen Helenenparks auf, wo sich damals das elterliche Wohn- und Geschäftshaus befand. Ihr Vater war Pferdehändler, verkaufte aber auch anderes Vieh sowie Frucht und Futtervorrat.
Am 15. März 1921 heiratete sie Ferdinand Stern aus Zwesten. Er war von 1914 mit Unterbrechung in den Kriegsjahren ab 1915 bis 1938 Lehrer der jüdischen Gemeinde in Frankenberg. Um 1925 unterrichtete er auch an der jüdischen Schule in Vöhl.
Ferdinand unterrichtete an der jüdischen Schule in Frankenberg (Hainstraße 31) und lebte mit seiner Frau und den fünf gemeinsamen Kindern in der dazugehörigen Lehrerwohnung.
Im Rahmen der Pogromnach wurde Ferdinand bereits am frühen morgen gemeinsam mit zahlreichen anderen Männern verhaftet. Ferdinands Auto, einen kleiner BMW, hatten SS-Männer auf eine Wiese gefahren und angezündet.
Das Wohn- und Schulgebäude wurde mittags ab 12.15 Uhr, also vermutlich nach dem Unterricht, von 13-Jährigen Schülern aus Frankenberg gestürmt und verwüstet. Ab 15.30 Uhr wurden die Kinder durch die SS abgelöst, welche das Haus bewachte und durchsuchte. Als SS-Männer eine Kassette unter dem Fußboden fanden, verlangten sie den Schüssel vom inhaftierten Ferdinand. Da Stern den Schlüssel jedoch nicht bei sich trug, misshandelten die Männer ihn stark.
Am selben oder nächsten Tag wurde Ferdinand gemeinsam mit anderen jüdischen Häftlingen zunächst nach Kassel und dann nach Buchenwald deportiert. Seine Häftlingsnummer war 24285 und dann 25394.
Mithäftlinge berichteten, Ferdinand sei sehr depressiv gewesen und habe mehrfach wiederholt, dass er verloren sei. Er starb am 14. November 1938, also nur ein oder zwei Tage nach seiner Ankunft im KZ Buchenwald.
Ein Frankenberger Autor machte die Schläge im Gefängnis für Ferdinands schnellen Tod verantwortlich. Die Arolsen Archives hingegen vermerken, dass er wahrscheinlich in eine große Latrinengrube gesprungen oder gestoßen worden sei.
Ein Mithäftling, Bruno Frankenthal, berichtete, dass er geholfen habe, Ferdinand mit Stangen zu retten. Er sei überzeugt gewesen, dass man ihn hineingestoßen hatte.
Martha konnte mit ihren Kindern zu ihrer Mutter Ida Katz nach Frankfurt am Main fliehen. Möglicherweise wohnte sie zeitweise auch bei einem Neffen Ferdinands in der Maurerstraße 36 im 2. Stock.
In Frankfurt absolvierte Martha eine Ausbildung zur Schneiderin und bemühte sich um Auswanderungsmöglichkeiten. Ihre Kinder Bertha Lieselotte und Helmut konnten ausreisen.
Bis zum 7. Mai 1942 war Martha in der Weberstraße 7 in Frankfurt gemeldet. Noch im Mai, möglicherweise noch am selben Tag wurde sie mit ihren Kindern Manfred, Richard und Max aus der Wohnung geholt, in der Großmarkthalle registriert und in einem Massentransport nach Lublin in Polen deportiert.
Sie verließen Frankfurt am 8. Mai mit dem Ziel Izbica. In Lublin fand eine Selektion statt, bei der Männer für Majdanek aussortiert wurden. Der Sohn Manfred wurde dort vom Rest der Familie getrennt und nach Majdanek gebracht, wo er Zwangsarbeit leisten musste und bereits am 19. September verstarb.
Martha wurde mit ihren anderen beiden Söhnen nach Sobibor deportiert, wo sie innerhalb von zwei Stunden nach Ankunft vergast wurden.

Quellen:
– Synagoge Vöhl: Martha Stern
– Synagoge Vöhl: Ferdinand Stern
– Synagoge Vöhl: Bertha Lieselotte Stern
– Synagoge Vöhl: Helmut Stern
– Synagoge Vöhl: Manfred Stern
– Synagoge Vöhl: Max Heinz Stern
– Synagoge Vöhl: Richard Jakob Stern
– Michael Winkelmann: „Auf einmal sind sie weggemacht“
Lara Hellwig