Helenenstraße 7/8 – Helene Ries

* 04.03.1896

Helene war eins von sieben Kindern der Eltern Jakob und Ida Katz (geb. Schartenberg).

Nachdem Helene 1920 ihren Mann Abraham Ries heiratete, zog sie in seine Heimat, Bunde in Ostfriesland. Dort betrieben sie ein Geschäft für „Manufakturwaren und Konfektion, Strickkleidung und Betten- und Aussteuerartikel“

Zwei Jahre später wurde Sohn Ernst Moritz geboren.

Abraham Ries schrieb am 20. April 1933:

Mutter Deutschland, willst Du uns verstoßen? Sag, was haben wir getan? Treffen wollte man die Großen, Doch uns Kleinen bringt man aus der Bahn.

Körperlich sind wir noch ungebrochen, Doch an unsrer Seele naget bittres Leid; Dennoch halten wir, was wir versprochen: Treu und Liebe Dir zu jeder Zeit.

Nichts kann uns von Deutschland trennen, Und in echter Treue stehen wir zu Dir. Wahre Liebe kann doch nur aus heißem Herzen brennen, Blut und Glaube nimmer sind entscheidend hier.

Mutter Deutschland, liebe uns nicht minder! Grad ein Schmerzenskind verstößt man nie. Alle Menschen sind doch eines Vaters Kinder, Und in seinem Ehrenbilde schuf er sie.

Mir ist’s ums Herz so bang und schwer, Ich habe keine Heimat mehr! Zum Deutschtum soll ich nimmer mich bekennen, Ich darf mich nicht mehr Deutscher nennen.

Und dennoch lieb ich dieses Land, In dem schon meine Wiege stand. Hier rief der Herrgott mich ins Sein, Hier ruhet der Eltern totes Gebein.

Und ob man ächtet und meidet mich, Deutsch denke ich und fühle ich. Wer will mir mein Empfinden rauben? Ich muß an Deutschlands Zukunft glauben.

Deutschland wird herrlich auferstehn, Dies Land wird niemals untergehn. Und steh’ ich auch weit und breit allein, Ich kann doch Jude und Deutscher sein.

1940 wurde die dreiköpfige Familie in Wilhelmshaven inhaftiert. Der 18-jährige Sohn wurde entlassen und flüchtete zu seiner Tante Else Meyerhoff nach Florida.

Am 24. Mai 1944 wurden Helene und Abraham in das KZ Westerbork geliefert, von wo aus sie am 4. September nach Theresienstadt deportiert wurden.
Abraham wurde am 16. Oktober mit 1500 Menschen ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo der Zug zwei Tage später eintraf.

Vor Ort wurde eine Selektion durchgeführt, um die Jungen und Gesunden nach Birkenau zu liefern, da Abraham Ries wohl nicht zu diesen gehörte, wurde er gemeinsam mit anderen in der Gaskammer des Krematoriums III getötet.

Helene Ries hingegen wurde am 8. Mai 1945 von amerikanischen Soldaten aus dem KZ Theresienstadt befreit und wanderte ein Jahr später in die USA aus, wo sie sich 1978 mit ihren Geschwistern Else Meyerhoff und Meinhard Katz traf.

Fortan lebte Helene mit ihrem Sohn Ernst Moritz in Florida.

Quellen:
Synagoge Vöhl: Helene Ries
Synagoge Vöhl: Abraham Ries
– Michael Winkelmann: „Auf einmal sind sie weggemacht“

Lara Hellwig