Helenenstraße 7/8 – Else Meyerhoff

Else Meyerhoff 1978

* 19.12.1903

Else war eins von sieben Kindern der Eltern Jacob und Ida Katz (geb. Schartenberg). Sie wuchs auf dem Grundstück des heutigen Helenenparks auf, wo sich damals das elterliche Wohn- und Geschäftshaus befand. Ihr Vater war Pferdehändler, verkaufte aber auch anderes Vieh sowie Frucht und Futtervorrat.

Die Familie Katz war, so berichtete Else später, sehr beliebt in Arolsen und man habe in ihrer Familie keinen Unterschied zwischen Christen und Juden gemacht.

Sie besuchte die Töchterschule in Arolsen und heiratete 1925 den Kaufmann Albert Meyerhoff aus Volkmarsen. Ein Jahr später wurde Tochter Gertraud geboren.

Die Familie lebte in der „Löwenburg“, dem Eckhaus Bahnhofstraße/ Helenenstraße (Bahnhofstraße 41). Das Haus diente zudem als Manufaktur- und Modewarengeschäft, welches Albert Meyerhoff seit 1924 zusammen mit Moritz Katz führte.

Nachdem sich die beiden Geschäftspartner trennten, verzog die Familie Meyerhoff am 3. Oktober 1929 in die heutige Landstraße 92 (damals Bahnhofstraße 28) in Mengeringhausen. Das dortige Geschäft war deutlich kleiner und bestand lediglich aus einem kleinen Verkaufsraum. Die Familie lebte im zweiten Stock und im selben Jahr wurde Sohn Erich geboren.

Ab 1932 nahm die Kundenzahl zunehmend ab. Die verbleibenden Kunden besuchten das Geschäft zunehmend nachts und durch die Hintertür. Später wurde vor dem Geschäft auch ein Schild aufgestellt mit der Aufschrift „Die Juden sind unser Unglück“.

Tochter Else besuchte die Volks- und Stadtschule in Mengeringhausen.

In der Schule musste Erich stets in der letzten Reihe sitzen und niemand durfte mit ihm sprechen, auch die Lehrerin durfte keine Fragen stellen, aus Angst, andernfalls entlassen zu werden.

1935 verließ die Familie Mengeringhausen und verzog nach Kassel in die obere Königsstraße 27. Am 31. Dezember wurden die Kinder Erich und Gertraud ihren Eltern weggenommen und im Israelitischen Waisenhaus in der Gießbergstraße 7 in Kassel untergebracht.

Ein Jahr später verzog die Familie innerhalb Kassel erst in den Grünen Weg 44 und nur zwei Monate später in die Annastraße 1.

Zunächst emigrierten Meyerhoffs 1937 nach Fort-Piece in Frankreich und anschließend nach Florida in den USA.

Drei Jahre später emigrierten auch Elses Neffe Ernst Moritz Ries und ihre Nichte Edith Simon nach Florida, wo sie gemeinsam mit ihrer Tante und ihrer Familie lebten.

1952 kehrte Erich Meyerhoff kurzzeitig als amerikanischer Soldat zurück nach Mengeringhausen.

Albert Meyerhoff verstarb 1975 in Jacksonville in den USA.

Quellen:
Synagoge Vöhl: Else Meyerhoff
– Michael Winkelmann: „Auf einmal sind sie weggemacht“

Lara Hellwig